Spiegel

Spie|gel ['ʃpi:gl̩], der; -s, -:
1. Gegenstand aus Glas oder Metall, dessen glatte Fläche das Bild von Personen oder Dingen, die sich vor ihm befinden, wiedergibt:
sich im Spiegel betrachten.
Zus.: Außenspiegel, Brennspiegel, Frisierspiegel, Garderobenspiegel, Handspiegel, Hohlspiegel, Innenspiegel, Konkavspiegel, Rasierspiegel, Rückspiegel, Taschenspiegel, Toilettenspiegel, Wandspiegel, Zahnspiegel, Zerrspiegel.
2. (glatte) Oberfläche eines Gewässers:
der Spiegel des Sees glänzte in der Sonne, kräuselte sich im Wind.
Zus.: Grundwasserspiegel, Meeresspiegel, Wasserspiegel.

* * *

Spie|gel 〈m. 5
1. glatte Fläche, die den größten Teil der auftreffenden Lichtstrahlen zurückwirft u. dadurch ein Abbild des davor befindlichen Gegenstandes gibt, bes. Glas mit dünner Silberschicht
2. mit Spiegel (1) versehenes, röhrenförmiges Instrument zur Einführung u. Besichtigung von Körperhöhlen (Augen\Spiegel, Kehlkopf\Spiegel, Mastdarm\Spiegel)
3. 〈Arch.〉
3.1 flache Decke eines Kreuzgewölbes (Spiegelgewölbes)
3.2 eingefasstes Feld an der Decke od. zwischen Fenstern
5. Oberfläche, z. B. einer Flüssigkeit, eines Gewässers (Meeres\Spiegel, Wasser\Spiegel)
6. 〈Physiol.〉 Gehalt einer Körperflüssigkeit an bestimmten Stoffen (Vitamin\Spiegel, Zucker\Spiegel)
7. seidener Aufschlag am Rock des Fracks u. Smokings
8. Tuchbesatz an den Kragenecken der Uniform, meist mit Kennzeichen der Einheit, Waffengattung, des Dienstgrades usw.
9. 〈Jägerspr.〉
9.1 schillernder Fleck am Flügel von Entenvögeln
9.2 weißer Fleck um den After des Reh-, Rot- u. Gamswildes; Sy Fenster
10. weißer Fleck auf der Stirn von Rind od. Pferd
11. plattes Heck (eines Schiffes)
12. mittlerer Teil der Schießscheibe
13. blankpolierter Harnisch
14. 〈früher〉 Erziehungsbuch, Regelbuch (Fürsten\Spiegel, der jungen Knaben \Spiegel); →a. Satzspiegel
● jmdm. einen \Spiegel vorhalten 〈fig.〉 ihn über seine Fehler aufklären; sich etwas hinter den \Spiegel stecken 〈fig.; urspr.〉 zur täglichen Ansicht aufheben; 〈allg.〉 sich merken, einprägen (bes. Unangenehmes); sich im \Spiegel betrachten; sein Bild im \Spiegel sehen; der Aufsatz zeigt das deutsche Theater, den deutschen Film im \Spiegel der öffentlichen Meinung so, wie sich das Th., der F. in der öffentl. Meinung darbietet, wie die Öffentlichkeit sie sieht [<ahd. spiagal <mlat. speglum <lat. speculum; zu specere „sehen“]

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Spie|gel , der; -s, - [mhd. spiegel, ahd. spiagal, über das Roman. < lat. speculum, Spekulum]:
1.
a) Gegenstand aus Glas od. Metall, dessen glatte Fläche das, was sich vor ihr befindet, als Spiegelbild zeigt:
ein runder, ovaler, rechteckiger, gerahmter S.;
ein blanker, blinder, trüber, fleckiger, beschlagener S.;
in den S. sehen, gucken;
sich im S. betrachten;
sie steht ständig vorm S. (betrachtet sich aus Eitelkeit häufig im Spiegel);
Ü seine Romane sind ein S. unserer Zeit, des mittelalterlichen Lebens;
R der S. lügt nicht (im Spiegel sieht man sich so, wie man wirklich aussieht);
jmdm. den S. vorhalten (jmdn. deutlich auf seine Fehler hinweisen);
sich <Dativ> etw. hinter den S. stecken können (ugs.: 1. etw. behalten können [weil der Sprecher es nicht haben will, es verächtlich zurückweist]. 2. etw. beherzigen müssen);
sich <Dativ> etw. nicht hinter den S. stecken (ugs.; durch eine scharfe Kritik o. Ä., bes. in einem Schriftstück, beschämt werden);
b) (Med.) Spekulum.
2.
a) Oberfläche eines Gewässers:
der S. des Sees glänzte in der Sonne, kräuselte sich im Wind;
b) Wasserstand:
der S. des Sees ist gesunken, ist seit gestern um 20 cm gestiegen.
3. (Med.) Konzentration eines Stoffs im Blut, im Plasma od. im Serum:
beim Cholesterin sollte der S. zwischen 120 und 250 mg pro 100 ml [Serum] liegen.
4.
a) seidener Rockaufschlag:
die S. des Fracks;
b) andersfarbiger Besatz auf dem Kragen einer Uniform.
5. (Zool., Jägerspr.)
a) (bei bestimmten Tieren, z. B. beim Reh-, Rot- u. Damwild) heller Fleck um den After;
b) (bei bestimmten Vögeln, z. B. bei Enten) andersfarbige Zeichnung auf den Flügeln.
6. (Schiffbau) senkrecht od. schräg stehende ebene Platte, die den hinteren Abschluss des Rumpfs eines Schiffs, Boots bildet.
7. schematische Darstellung, Übersicht:
die Zeitschrift veröffentlicht jährlich einen S. der Lebenshaltungskosten, der Mietpreise.
8. (Verlagsw.) Satzspiegel.
9.
a) (Archit.) flaches, häufig mit Fresken o. Ä. verziertes mittleres Feld des Spiegelgewölbes;
b) (Tischlerei) Türfüllung.
10. (im MA.) meist in Prosa verfasstes, moralisch-religiöses, juristisches od. satirisches Werk (bes. in Titeln):
die ersten deutschen S. sind Rechtsbücher.
11. innerstes Feld einer Zielscheibe.

* * *

I
Spiegel
 
[althochdeutsch spiagal, über das Romane von gleichbedeutend lateinisch speculum],
 
 1) Geologie: 1) der Faltenspiegel (Falte); 2) der Spiegelharnisch (Harnisch).
 
 2) grafische Technik: 1) Kurzbezeichnung für Satzspiegel; 2) der Teil des Vorsatzes, der sich auf der Innenseite des Buchdeckels befindet.
 
 3) Holzwirtschaft: Spiegelschnitt.
 
 4) Jägersprache: Bezeichnung für 1) den (auch Scheibe genannten) weißen beziehungsweise heller gefärbten Fleck um den After von Reh-, Rot- und Damwild, 2) den (auch Achselfleck genannten) weißen Fleck am Vorderrand der Flügel vor dem Flügelbug beim Auer- und Birkhahn, 3) die Zone mit den schwarzblauweiß gebänderten Federn am Flügelbug des Eichelhähers, 4) die auffällige, artspezifisch gefärbte, metallisch schimmernde Zone am Hinterrand der Armschwingen bei verschiedenen Entenarten (z. B. dunkelblau bei der Stockente).
 
 5) Literaturgeschichte: im Mittelalter Buchtitel für belehrende, moralisch-religiöse, juristische und satirische Werke, meist in Prosa; zunächst für lateinische Werke verwendet (Speculum); erste deutsche Spiegel sind Rechtsbücher, z. B. »Deutschen-S.«, »Sachsen-S.«, »Schwabenspiegel«. (Fürstenspiegel)
 
 
H. Grabes: Speculum, Mirror u. Looking-Glass. Kontinuität u. Originalität der S.-Metapher (1973).
 
 6) Militärwesen: Kurzbezeichnung für Kragenspiegel.
 
 7) Mode: Reversbesatz aus Seide oder Samt an Frack und Smoking.
 
 8) Optik: ein Körper, dessen glatte, regelmäßige Fläche das Licht möglichst vollständig und regelmäßig reflektiert (Reflexion). Nach der Form der reflektierenden Fläche unterscheidet man zwischen ebenen und gewölbten Spiegeln, nach der Lage der reflektierenden Fläche zwischen Oberflächen- und Rückflächenspiegeln. Ebene Spiegel (Planspiegel) liefern ein virtuelles Bild, bei dem hinten und vorn vertauscht sind und das daher seitenverkehrt erscheint; sie werden in optischen Instrumenten zur Strahlumlenkung verwendet. Um ein seitenrichtiges Bild zu erhalten, muss zweimal gespiegelt werden, was z. B. bei einem Winkelspiegel geschieht. Bei den gewölbten Spiegeln unterscheidet man zwischen Konkavspiegeln (Hohlspiegel), bei denen die hohle Fläche, und Konvexspiegeln (Wölbspiegel, Zerstreuungsspiegel), bei denen die vorgewölbte Fläche dem Licht zugewandt ist. Gewölbte Spiegel werden wie Linsen zur optischen Abbildung verwendet, wobei Konvexspiegel wie Zerstreuungslinsen parallele Lichtbündel zerstreuen und verkleinerte virtuelle seitenverkehrte Bilder (z. B. beim Rückspiegel im Auto), Konkavspiegel wie Sammellinsen je nach Lage des Gegenstands in Richtung der einfallenden Strahlen hinter oder vor dem Brennpunkt vergrößerte virtuelle (seitenverkehrte; z. B. beim Rasierspiegel) oder reelle, bezüglich des Gegenstands um 180º um die optische Achse gedrehte Bilder erzeugen. Hohlspiegel werden vor allem als Reflektoren und als Primärspiegel in Spiegelteleskopen verwendet (Letztere werden in Wortzusammensetzungen einfach als Spiegel bezeichnet, z. B. der Schmidt-Spiegel). Die Form der abbildenden Fläche kann sphärisch (kugelförmig) oder, zur Reduzierung oder Vermeidung bestimmter Abbildungsfehler, asphärisch sein, z. B. ellipsoidisch, paraboloidisch (Parabolspiegel) oder hyperboloidisch. Bei sphär. Spiegeln ist die vom Scheitel der Spiegelfläche aus gemessene Brennweite f halb so groß wie deren Krümmungsradius r. Zur Bildkonstruktion verwendet man wie bei den Linsen bestimmte ausgezeichnete Strahlen (Hauptstrahlen). Für die Gegenstandsweite g, die Bildweite b (jeweils vom Scheitel aus gemessen) und die Brennweite gilt bei Hohlspiegeln die Abbildungsgleichung 1 / g + 1 / b = 1 / f. Aus ihr folgt, dass für g < f die Bildweite negativ wird und ein virtuelles Bild entsteht. Bei Wölbspiegeln ist die Brennweite negativ zu rechnen.
 
Einfache Glasspiegel können durch chemischen Niederschlag einer Silberschicht auf einer Glasfläche hergestellt werden. Die Schicht kann galvanisch verstärkt und z. B. durch Verkupfern bräunlich getönt werden. Heute werden spiegelnde Schichten v. a. durch Kathodenzerstäubung von Aluminium oder Silber im Hochvakuum aufgebracht. Bei Rückflächenspiegeln wird die Rückseite der Metallschicht meist durch einen Lacküberzug gegen mechanische Beschädigung und Feuchtigkeit geschützt. Spiegel für optische Instrumente werden vorderseitig metallisiert (Oberflächenspiegel). Hochwertige absorptionsfreie Spiegel, z. B. für Laser und Interferometer, werden durch Aufdampfen von Schichtsystemen aus dielektrischen Materialien hergestellt (Vergüten), wie beispielsweise die dispersiven Spiegel (Bragg-Reflektor) für Ultrakurzzeitlaser. Bei hinreichend dünnen spiegelnden Schichten wird nur ein Teil der auftreffenden Strahlung reflektiert und der Rest hindurchgelassen. Solche teildurchlässigen Spiegel werden als Strahlteiler in optischen Geräten verwendet.
 
 
Aus ägyptischen Gräbern sind Spiegel aus Kupfer, Bronze, auch Silber, mit runden Scheiben und reich verzierten Griffen aus Holz, Elfenbein oder Fayence erhalten. Runde Metallspiegel mit Elfenbeingriffen wurden in Kreta (minoische und mykenische Kultur) gefunden. Metallene Griff- und Standspiegel mit runden Scheiben und vollplastischen Frauenfiguren gab es in Griechenland seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Um 400 v. Chr. wurden sie durch Klappspiegel abgelöst, die auf der Außenseite häufig Figurenreliefs, auf einer inneren Klappe Gravierungen trugen. Die Etrusker kannten runde Griffspiegel aus Bronze, die Rückseite verzierten sie mit gravierten Darstellungen aus der Mythologie. In der röm. Kaiserzeit gab es auch kleine Glasspiegel mit Zinnunterlage und Metalleinfassung, die Plinius der Ältere als Erfindung der Phöniker bezeichnete. In Mitteleuropa ist der Spiegel seit der La-Tène-Zeit sicher belegt. In Osteuropa kommen Spiegel seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. in skythischen Gräbern häufig vor. Bei den skythischen Spiegeln kann man eine ursprünglich griechische Form mit Stielgriff und eine chinesische Form (Rundspiegel mit Öse) unterscheiden. Letztere sind durch die Vermittlung der Hunnen auch zu den Germanen der Völkerwanderungszeit gekommen.
 
Im Mittelalter wurden Spiegel erst seit dem 13. Jahrhundert wieder häufig, neben Metallspiegeln (lange im Gebrauch) bereits Glasspiegel. Herstellungsort war Nürnberg. Als Bestandteil der Raumausstattung ist der Spiegel durch Gemälde (J. van Eyck, »Giovanni Arnolfini und seine Frau Giovanna Cenami«, 1434; London, National Gallery) bezeugt. Die Rahmen wurden mit religiösen oder moralisierenden Darstellungen (Tugenden) geschmückt. Der Spiegel war mit symbolischen Bedeutungen beladen und Maria, der Prudentia (Selbsterkenntnis), Aphrodite, der Vanitas beziehungsweise dem Tod zugeordnet und erscheint in diesen Bezügen oft in der Kunst. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts wurden flache Spiegel aller Art v. a. in Venedig hergestellt. Der Spiegel als tragendes Element der Innendekoration kam im 17. Jahrhundert in Frankreich in den Schlössern Ludwigs XIV. auf (Spiegelgalerie von Versailles). Das kleine Spiegelkabinett war besonders im Rokoko beliebt. Im 18. Jahrhundert wurden die Hintergründe von Hinterglasmalerei gerne nachträglich verspiegelt (»Spiegelbilder«).
 
 
und Volksglaube: In den Vorstellungen vieler Völker spielt der natürliche Spiegel des Wassers und das Spiegelbild eine bedeutende Rolle (Narzismus, Hydromantie). Umso mehr gerät auch der künstliche Spiegel in Glauben und Brauch zu magischer Kraftzuschreibung. Schon in der Antike war Wahrsagerei aus dem Spiegel üblich. Vielfach belegt ist der Glaube, der Spiegel halte die Seele des Hineinschauenden fest und verursache so seinen Tod. Weit verbreitet war (ist) auch der Brauch, den Spiegel im Haus eines Sterbenden zu verhängen, um so den Toten als Wiedergänger das Verbleiben im Haus zu verwehren. In dem aus sieben Metallen hergestellten Erdspiegel (lateinisch Speculum Salomonis) soll man, wenn der Mond neu wird, Antwort auf ihn gestellte Fragen erblicken; außerdem soll man mit ihm auch verborgene Schätze oder Erzadern entdecken können. Magische oder Zauberspiegel, häufig in Märchen (z. B. zentrale Rolle bei Schneewittchen) und Sagen vorkommend, sollen angeblich zeigen, was in der Welt geschieht oder Vergangenes beziehungsweise Zukünftiges sichtbar werden lassen, ebenso Geister, Dämonen und Hexen; Wöchnerinnen ud Kinder unter einem Jahr sollten deshalb nicht in den Spiegel schauen. Das Blindwerden des Spiegels zeigt angeblich die Untreue des fernreisenden Gatten an; besonders populär wurde der Glaube, sein Zerbrechen bedeute »sieben Jahre Pech beziehungsweise Unglück«, es konnte aber auch als Treuebruch oder verlorene Jungfernschaft gedeutet werden.
 
 
 
M. Müller-Wille: Der S. im Spiegel archäolog. Quellen, in: Das Handwerk in vor- u. frühgeschichtl. Zeit, hg. v. H. Jankuhn u. a., Bd. 2 (1983);
 R. Haubl: »Unter lauter Spiegelbildern. ..«. Zur Kulturgesch. des S., 2 Bde. (1991).
 
 9) Schiffbau: der Abschluss des Hecks von Segelbooten oder Schiffen. Ist der Spiegel einwärts geneigt, so heißt er einfallender, umgekehrt ausfallender Spiegel.
 
II
Spiegel,
 
1) [niederländ.niederländisch 'spiɣəl], Spieghel, Hendrik Laurensz., niederländisch Dichter, * Amsterdam 11. 3. 1549, ✝ Alkmaar 4. 1. 1612; gehörte zu den ersten niederländischen Renaissanceschriftstellern. Verfasser einer gereimten Sittenlehre im katholisch-humanistischen Sinn in sieben Gesängen (»Hart-Spieghel«, herausgegeben 1614) und eines humanistisch-stoischen Dramas (»Numa ofte Ambtsweygheringe«, um 1580-90). Als Leiter der Amsterdamer Rederijkerskamer »De Eglantier« verfasste er größtenteils ein dreiteiliges Werk, das eine dem Zeitgeist angepasste Theorie des Triviums (Artes liberales) enthält: »Twe-spraack vande Nederduitsche letterkunst« (1584, die erste niederländische Grammatik), »Ruygh-bewerp vande redenkaveling« (1585, Dialektik), »Rederijck-kunst in rijm ogt kortst vervat« (1587, Rhetorik).
 
Ausgabe: Twe-spraack vande Nederduitsche letterkunst, herausgegeben von G. R. W. Dibbets (1985).
 
 2) Paul, Unternehmer, * Warendorf 31. 12. 1937; überlebte als Kind den Holocaust in Belgien, wohin seine Familie 1939 geflohen war, versteckt bei Bauern.; wurde Journalist und war Redakteur der jüdischen Wochenzeitung »Allgemeine«. Seit 1986 führt Spiegel ein eigenes Unternehmen (Künstleragentur). Spiegel ist Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und seit Januar 2000 auch Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland (Nachfolger von I. Bubis).
 
 
Werk: Wieder zu Hause? Erinnerungen und Visionen (2001).

* * *

Spie|gel, der; -s, - [mhd. spiegel, ahd. spiagal, über das Roman. < lat. speculum, ↑Spekulum]: 1. a) Gegenstand aus Glas od. Metall, dessen glatte Fläche das, was sich vor ihr befindet, als Spiegelbild zeigt: ein runder, ovaler, rechteckiger, gerahmter S.; ein blanker, blinder, trüber, fleckiger, beschlagener S.; in der Garderobe hängt ein großer S. an der Wand; an den Schränken mannshohe S. (Ossowski, Flatter 170); ... dass ich schreien werde und dass der S. zersplittern wird von meinem Schrei (Schwaiger, Wie kommt 119); er zog einen kleinen S. aus der Tasche; in den S. sehen, gucken; sich im S. betrachten; sie steht ständig vorm S. (betrachtet sich aus Eitelkeit häufig im Spiegel); R der S. lügt nicht (im Spiegel sieht man sich so, wie man wirklich aussieht); Ü seine Romane sind ein S. unserer Zeit, des mittelalterlichen Lebens; „Die Schule sei hier als ein getreuer S. der wilhelminischen Gesellschaft und ihrer tyrannischen Autoritäten dargestellt“ (Reich-Ranicki, Th. Mann 130); Ein schönes Jahr ... im S. der öffentlichen Berichterstattung (Th. Mann, Hoheit 79); *jmdm. den S. vorhalten (jmdn. deutlich auf seine Fehler hinweisen); sich <Dativ> etw. hinter den S. stecken können (ugs.; 1. etw. behalten können [weil der Sprecher es nicht haben will, es verächtlich zurückweist]. 2. etw. beherzigen müssen); sich <Dativ> etw. nicht hinter den S. stecken (ugs.; durch eine scharfe Kritik o. Ä., bes. in einem Schriftstück, beschämt werden; nach der verbreiteten Gewohnheit, hübsche Bildchen, liebe Briefe, Postkarten o. Ä. so hinter den Rand des Spiegels zu klemmen, dass man sie täglich vor Augen hat): das Zeugnis, die Rezension wird er sich [wohl, sicher] nicht hinter den S. stecken; b) (Med.) Spekulum. 2. a) Oberfläche eines Gewässers: der S. des Sees glänzte in der Sonne, kräuselte sich im Wind; Die S. der Teiche bedeckten sich mit Piniennadeln und Laub (Ransmayr, Welt 132); b) Wasserstand: der S. des Sees ist gesunken, ist seit gestern um 20 cm gestiegen; Mächtiger als alles, was sich jemals über den S. des Schwarzen Meeres erhoben hatte, warf dieser Berg seinen Schatten auf die Küste (Ransmayr, Welt 285). 3. (Med.) Konzentration eines Stoffs im Blut, im Plasma od. im Serum: beim Cholesterin sollte der S. zwischen 120 und 250 mg pro 100 ml [Serum] liegen; er trank so viel, dass er am nächsten Morgen noch einen S. von 0,8 Promille [Alkohol im Blut] hatte. 4. a) seidener Rockaufschlag: die S. des Fracks; b) andersfarbiger Besatz auf dem Kragen einer Uniform. 5. (Zool., Jägerspr.) a) (bei bestimmten Tieren, z. B. beim Reh-, Rot- u. Damwild) heller Fleck um den After; b) (bei bestimmten Vögeln, z. B. bei Enten) andersfarbige Zeichnung auf den Flügeln. 6. (Schiffbau) senkrecht od. schräg stehende ebene Platte, die den hinteren Abschluss des Rumpfs eines Schiffs, Boots bildet. 7. schematische Darstellung, Übersicht: die Zeitschrift veröffentlicht jährlich einen S. der Lebenshaltungskosten, der Mietpreise. 8. a) (Druckw.) Satzspiegel; b) (Buchw.) Dublüre (2). 9. a) (Archit.) flaches, häufig mit Fresken o. Ä. verziertes mittleres Feld des Spiegelgewölbes; b) (Tischlerei) Türfüllung. 10. (im MA.) meist in Prosa verfasstes, moralisch-religiöses, juristisches od. satirisches Werk (bes. in Titeln): die ersten deutschen S. sind Rechtsbücher. 11. innerstes Feld einer Zielscheibe. 12. hübsches, jugendlich glattes Gesicht: Mein Enkel ... sprach der schönen Annerl, wie die Leute sie ihres glatten -s wegen nannten, immer von der Ehre (Cl. Brentano, Kasperl 355).

Universal-Lexikon. 2012.

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